Ein kleiner Lebensabriss

Warum ich Biographin und Rednerin wurde

Es hat mich immer gefesselt, auf das eigene Leben und das meiner weitverzweigten Familie zurückzuschauen. Überhaupt interessieren mich Menschen, ihre persönlichen Geschichten – und die Geschichten, die sie erzählen.

Woche für Woche treffe ich auf Lebensgeschichten meiner Kunden, in Form von biographischen Interviews und den Büchern, die daraus entstehen, in Seminaren, zu denen die TeilnehmerInnen ihre Geschichten mitbringen oder in Form der persönlichen Reden, die ich halte, die Lebensläufe enthalten, aber eben auch Episoden, Themen und Charakteristiken eines Menschen. Und ich empfinde es jedes Mal bereichernd, eine weitere Geschichte oder ein Bündel von Geschichten kennengelernt zu haben.


Geboren wurde ich im Jahr 1978 in Sana im Jemen. Meine Eltern waren dort zwei Jahre lang in einem Forschungsprojekt zur Entwicklungshilfe tätig. Erinnerungen habe ich an diese Zeit keine. Viele Fotos und Filme sind aber noch da. Nach dem Projekt-Einsatz ging das Familienleben in Deutschland weiter. Wir zogen in die Ortenau und ich wuchs mit meinen Geschwistern in einer sehr lieblichen Gegend zwischen Weinbergen und Schwarzwald  auf.

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Herbst 1978: Ich mit 6 Monaten im Jemen.

Nach dem Abitur bin ich zuerst Buchhändlerin geworden. Das war in Weil am Rhein und Freiburg. Die Arbeit mit den Büchern und Menschen hat mir viel Freude bereitet, aber ich wollte mehr und intensiver lesen. So ging ich im Frühjahr 2001 nach Berlin und studierte an der Humboldt Universität Neuere deutsche Literatur und Romanistik. Nach dem Abschluss begann ich selbst als Literaturwissenschaftlerin zu lehren und entschied mich zur Promotion . Ich wurde Stipendiatin an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien an der Freien Universität Berlin. Mein Dissertationsthema stand ganz im Zeichen des sogenannten „narrative turn“: Das Erzählen war damals schon mein großes Thema. Mein Buch Denksystem – Logik und Dichtung bei Käte Hamburger (Berlin 2013) handelt vom Werk der deutsch-jüdischen Literaturwissenschaftlerin und Philosophin Käte Hamburger (1896-1992), die sich in den 1950er und 1960er Jahren eingehend mit der Theorie des Erzählens befasst hat. Sie lieferte eine ebenso abstrakte wie unerhört leidenschaftliche Stellungnahme.

Ein Teil meiner Recherchen führte mich mehrmals nach Schweden sowie als Visiting Researcher an die Stanford University in Kalifornien.

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n San Francisco 2011

Der Zufall wollte es, dass ich Berlin mitten im ungemein strengen Winter 2010/2011 verließ und in den milden Winter am Golden Gate kam. Es wurde ein wundervoller, außergewöhnlich warmer Winter, der mir auch viele menschlich wichtige Begegnungen schenkte.

Nach dem Abschluss meiner Promotion zog ich im Jahr 2013 nach Stuttgart um. Hier arbeitete ich drei Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Literaturwissenschaft der Universität Stuttgart. Es folgte eine Zeit als Stipendiatin am Literaturarchiv Marbach.  Und schließlich nahm ich eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg an.

In dieser Zeit reifte  die Entscheidung: Ich möchte Rednerin und Biographin werden. In der Akademie des Biographiezentrums absolvierte ich die fünfzehnmonatige Ausbildung zur Biographin bei Dr. Andreas Mäckler. Als Freie Rednerin  bildeten mich Martin Lieske (Köln) und sein Team in Kooperation mit der IHK Köln aus.

Im Sommer 2017 gab ich meine Tätigkeit an der Universität Heidelberg auf, um mich ganz für meine selbständigen Arbeit als Biographin und Freie Rednerin zu widmen.

 

Workshop für Biographen in München Dr. Claudia Löschner

Bei einem Workshop für Biographen,